Wie bereits seit einigen Jahren findet bei uns eine Oldtimer-Ausfahrt statt, was mir als begeisterter Radfahrerin völlig entgangen war.
Unbedarft fuhr ich zu meinem Markt und wunderte mich nur am Rande darüber, warum an der Hauptstraße eine Bühne aufgebaut wurde. Ist den schon wieder Stadtteilfest, irgendeine Motto-Nacht, verkaufsoffener Sonntag..oder was wird mal gerade wieder gefeiert? Gefeiert wird in den letzten Jahren hier sehr viel...Ein Event jagt das andere.Mir kommt es immer mehr so vor wie der Tanz auf dem Vulkan.....die auf der Straße liegenden Alkoholgeschädigten scheinen bei jedem Mal zuzunehmen. Sicherlich sind es dann wohl eher 'Zugereiste' aus den 'schlechteren Vierteln' der Stadt.
Ich wohne nämlich in einem sogenannten gentrifizierten Stadtviertel,was sich auch bereits rühmen darf über mindestens eine sogeannte Gated Communitie zu verfügen. Das Buch was Herr Steppenhund in seinem Beitrag erwähnte hat dies zum Thema:
http://steppenhund.twoday.net/
http://www.randomhouse.de/Paperback/Wir-muessen-leider-draussen-bleiben-Die-neue-Armut-in-der-Konsumgesellschaft/Kathrin-Hartmann/e380628.rhd
Nun befand ich mich mit meinem beladenen Fahrrad bereits wieder auf dem Rückweg.
Dummerweise war diese Straße gleichzeitig der Weg den die Oldtimer nutzten: Mit extrem viel Gestank, lauten Motoren und - soweit möglich mit offenem Verdeck - schließlich möchte man ja auch erkannt werden - rauschten sie an mir vorbei. Sie schnitten mich derart, dass ich zeitweilig einfach Slalom gefahren bin, damit sie Abstand hielten. Immerhin hielten sie an den Ampeln, aber nur um nochmals Gas zu geben,den Motor aufheulen und den begeisterten 'Fans' oder Bekannten (die bereits stolz darauf waren einen Fahrer zu kennen und sich somit in dessen Dunstkreis befanden) etwas zuzubrüllen. Interessanterweise befanden sich die 'Damen' ausschließlich auf den Beifahrersitzen soweit ich dies mitbekommen habe.
Dies alles fand an einem frühen 9.00 Uhr, beschaulichen - bis dahin! - Samstag statt (Wohlgemerkt - es war kaum jemand auf der Straße außer einigen Journalisten und Fans).
Unter den Oldtimern waren wirklich schöne und auch knuffige Wagen. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass das Ganze nur - wie so oft hier - einem Zweck dient: Zu zeigen was man hat, bzw. sich leisten kann und dass man zu einer bestimmten Kaste dazugehört, die offensichtlich einige Regeln außer Kraft setzten kann.
Interessanterweise habe ich oftmals auch erlebt, dass viele Reichtum gleichsetzten mit einem Benehmen, dass man mit Geld 'ausgleichen' kann. Die Ellbogen werden ausgefahren und wenn man aneckt wirds schon einer richten. Eben: Hoppla jetzt kommen wir.....
Ich werde das oben erwähnte Buch mit Interesse lesen!